HKW: Persönliches Wissensmanagement
Primäres Ziel von WAVES besteht darin, in verteilten Softwareprojekten den Aufbau und den Austausch von informellem Wissen zu fördern und seine schrittweise Strukturierung und Vernetzung zu unterstützen. WAVES hat nicht nur in diese Richtung wertvolle Ergebnisse geschöpft, sondern hat als Erweiterung des Team-orientierten Wissensmanagement sogar einen großen Schritt in Richtung des persönlichen Wissensmanagements gemacht. In der durch WAVES unterstützten Arbeit wurde der Forschungsansatz auch in einem Werkzeug (“Hypertext Knowledge Workbench”, HKW) umgesetzt.
Die HKW ist ein Werkzeug für das persönliche Wissensmanagement (engl. personal knowledge management,
PKM). Während persönliches Informationsmanagement sich vor allem mit der Verwaltung von bestehenden Wissensartefakten beschäftigt (z.B. Emails, Termine, Kontakte, Bookmarks) konzentriert sich
PKM auf selbst erstellte persönliche Notizen. Im
PKM kommuniziert der Nutzer also vor allem über den Umweg eines Werkzeuges mit sich selbst um so kognitive Grenzen (Langzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis) zu verschieben.
Entscheidend für erfolgreiches
PKM ist der Zusammenhang zwischen Aufwand und Nutzen. Aufwände entstehen für das Erstellen einer Notiz, das Organisieren und Formalisieren von Notizen sowie beim Suchen von Notizen. Nutzen entsteht ausschließlich wenn relevante Notizen während einer Aufgabe dem Nutzer helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Maßgeblich für die Suchkosten ist der Strukturierungsgrad der Notizen. Textnotizen ohne jede innere Struktur, ohne Überschriften, ohne Vernetzung mit anderen Notizen, ohne Metadaten (z.B. Erstellungsdatum) und ohne Sortierung in Ordner sind nur schwer wiederzufinden wenn es darauf ankommt. Auf der anderen Seite führen Werkzeuge mit zu hohen Strukturierungsanforderungen (z.B. Datenbanken, Formulare) oft dazu, dass Nutzer ihr Wissen gar nicht eingeben, weil es zu umständlich wäre.
HKW löst das Problem des Strukturierungsgrades indem es dem Nutzer erlaubt Notizen in beliebiger Granularität und mit beliebigem Strukturierungsgrad anzulegen, zu verändern und zu nutzen. Notizen können leicht mit anderen Notizen vernetzt werden.
In HKW ist ein Wissensnetz aus einer Menge von Notizen angelegt. Innerhalb jeder Notiz kann Wiki-Syntax verwendet werden um Text zu strukturieren und die Notiz mit anderen Notizen zu vernetzen. Konzepte werden ebenfalls durch Notizen repräsentiert. Auch das im Web 2.0 beliebte 'tagging' wird so in HKW realisiert: Der Nutzer verbindet eine Notiz mit einer Tag-Notiz. Eine Tag-Notiz ist dabei eine Notiz die nur den Name des Tags selbst enthält, z.B. "java". HKW unterstützt auch Meta-Modellierung, d.h. jede Verbindung zwischen zwei Notizen wird selbst wieder als Notiz aufgefasst und kann daher annotiert, getaggt, getypt und vernetzt werden.